Irre

Rainald Goetz 

Lichthof Theater 

 

Regie: Henri Hüster
Choreografie: Vasna Aguilar
Dramaturgie: Lena Carle
Bühne: Lea Burkhalter
Kostüm: Marie Sturminger
Regieassistenz: Stella Ruszkowski
Bühnenassistenz: Eva Wagner
Licht: Sönke C. Herm

Fotos: Angelina Vernetti

 

mit Vasna Aguilar, Aurel von Arx,

Anna Eger und Lukas Gander

Drei Stunden Wahnsinn auf der Theaterbühne

Falk Schreiber Hamburger Abendblatt 23.1.17

Für Vasna Aguilar, Aurel von Arx, Anna Eger und Lukas Gander freilich ist die Inszenierung eine Tour de Force. Nicht nur, dass die Darsteller in atemberaubender Geschwindigkeit zwischen Rollen, Stimmungen und Haltungen wechseln, sie tanzen, singen, kämpfen sich durch das im ersten Teil auf der Szene platzierte Publikum (Bühne: Lea Burkhalter). Mal als Physiker, dem sein Fachgebiet die Sinnlosigkeit des Daseins vor Augen führt, mal als Grübler, der sich in den eigenen Argumenten verstrickt, mal als hyperaktives Kind, das immerhin eine traurige Moritat hergibt: "Never relax."

Goetz wusste, dass er die Vorlage vor dem Abdriften in die absolute Vielstimmigkeit wieder einfangen musste, weswegen der Roman "Irre" nach einiger Zeit in einen gradlinigen Entwicklungsroman mündet. Aber so stimmig Hüsters Inszenierung ästhetisch ist: Diese Kurve nimmt der Abend nicht ganz. Eine echte Erzählung entwickelt sich auch nach der Pause nicht, es bleibt beim Nachdenken über den Akt des Erzählens. Und doch: Man spürt, dass dieser Regisseur etwas will, man spürt, dass er seine Mittel im Griff hat, man spürt auch, dass er bereit ist, das freie Theater an seine Grenzen zu führen. Und zwar ganz konkret – am Ende des rund dreistündigen Abends wird die Luft im beengten Lichthof knapp. Egal, das ist es wert.